Brief an M

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  • Published 11 years ago

Liebe M.,

Drei Tage ist es her, seitdem du in den Zug gestiegen bist. Wenn ich die Augen schließe, kann ich noch die Rücklichter sehen. Ich finde, Verabschiedungen wären um einiges einfacher, wenn man nicht die Rücklichter sehen könnte. Rücklichter haben immer so etwas melancholisches.

Du warst nie nur irgendwer. Nie nur einfach da. Aber du warst da. Zumindest rückblickend betrachtet fast immer. Wenn du mal nicht da warst lag das vielleicht auch eher an mir als an dir. Ich gebe zu, es ist nicht immer einfach mich zu kennen, mich vielleicht sogar mögen zu wollen. Doch du hast mir immer ein Zuhausegefühl gegeben. Vollkommen egal wo ich war, wenn du in der Nähe warst, konnte ich mich sicher fühlen.
Jetzt bist du bald weg.
Nicht richtig weg natürlich. Du wirst nie richtig weg sein können. Mein Herz wird dich nicht mehr loslassen.
Die Leute sagen, es wird einfacher. Die Leute sagen, man wird neue Menschen kennen lernen. Vielleicht haben sie ja recht. Bestimmt haben sie recht. Doch wer könnte schon verstehen, warum du fehlen wirst? Wer könnte uns verstehen? Kapitän Nemo könnte eventuell. Doch den gibt es nicht.
Was bleibt?
Das wichtigste. Das schönste.
Ich weiß, dass du bleiben wirst. Denn dich zu vergessen würde bedeuten, fast alles zu vergessen, was wirklich wichtig war.

Du fehlst, der Stadt vielleicht sogar noch etwas mehr als mir,

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