Brief an M (2)

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  • Published 10 years ago

Liebe M.,

einige Zeit ist vergangen, seitdem wir uns das letzte Mal begegnet sind. Wir haben uns zwar sehr wohl einige Male gesehen, doch das Sehen allein reicht für eine Begegnung nicht.

Ich habe mich oft gefragt, was wohl alles passieren könnte, wenn die räumliche Distanz so groß wird, dass sie anfangen kann an der Bauch-, Herz- und Kopfnähe zu knabbern und den ein oder anderen Brocken davon abbeißt. Ich habe mir immer eingeredet, dass unsere Nähe bleiben wird, weil – so vermutete ich – sie nicht die alltägliche, dahergebrachte Supermarktsonderangebotsnähe ist, sondern eben mehr, intensiver könnte man sagen, schöner vielleicht auch, anders in jedem Falle.

Natürlich lag ich falsch. Glaube ich zumindest.
Beweis mir das Gegenteil. Vielleicht irre ich mich ja. Das wäre schön, nicht nur, weil irren so unglaublich menschlich ist und deswegen viel zu oft als Schwäche abgetan und nicht akzeptiert wird.

Du fehlst. Trotz allem. Mehr als vorher sogar.

Es gibt Momente, in denen möchte ich einfach nur sein, ohne irgendwelche Verpflichtungen. Es sind diese Momente, die ohne dich nicht die selben sind. Es sind diese Momente, die ohne Dich nicht funktionieren. Diese Momente sind die einzigen, die immer etwas bedeuten.

Wenn wir uns treffen könnten, um zu warten, bis die richtigen Worte kommen und dann zu reden, bis all diese Worte gesagt und verstanden sind, wenn das ginge, würde ich anfangen, an die Zeit zu glauben, die alle Wunder heilt.

An dieser Stelle würde jeder dritte Brief dieser Art wohl diese eine gewisse Zeile aus Disarm von den Smashing Pumpkins enthalten. Denk sie dir einfach.

Komm, lass uns wieder gemeinsam schweigen lernen.

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