Brief an M (3)

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  • Published 6 years ago

M.,

ich habe immer noch ein bisschen Angst, dir eines Tages unverhofft über den Weg zu laufen. Seit Monaten, fast könnte man seit Jahren sagen, erwarte ich jeden Tag den Moment, den der Zufall erwürfelt hat. Den Moment, an dem du vor mir stehen wirst. Was ich dann sagen werde? Wahrscheinlich "Hey!". Wahrscheinlich werde ich es in diesem Moment auch so nett und herzlich meinen, wie es klingen wird. Möchte ich jedoch, dass es so klingen wird? Dass du diese doch sehr positive Bedeutung aus den ganzen dann noch nicht einmal gesagten Zeilenzwischenräumen lesen wirst? Nein. Ich möchte nicht, dass du meine Zeilenzwischenräume in einem für dich angenehmen Licht aufnimmst. Ich möchte, dass sie für dich wieder werden, was sie eigentlich sind. Das Weiß zwischen der Tinte. Doch auch ich werde die Kräfte die ich einmal rief nicht mehr loswerden. Das ist schließlich schon einem gewissen Altmeister nicht gelungen.

Wo war ich? Ach ja. Eines Tages werden wir uns wieder begegnen. Im Moment wäre mir lieb, etwas Gewissheit darüber zu bekommen, dass dieser Tag noch in weiter Ferne liegt. Man kann eben nicht immer alles haben.

Ich liebte dich. Ich liebte dich mehr, als du nicht mehr da warst. Jetzt bist du noch immer nicht egal. Aber du wirst nie wieder so wichtig werden, wie du einmal warst.

Auf Wiedersehen.

PS: Ich freue mich darauf, dich wiederzusehen. Weil aus deinem Munde ein exakt gleich intentioniertes "Hey!" kommen wird.